Menü

ADHS und Autismus: Struktur und Regeln statt Medikation

Ausgehend von unserer pädagogischen Handlungsgrundlage betrachten wir Entwicklungsstörungen wie ADHS oder Asperger bzw. Autismus immer von der individuellen Lernausgangslage des Kindes oder Jugendlichen. Dieses impliziert eine genaue Diagnose seiner Stärken und Ressourcen. In Elterngesprächen werden sowohl die Entwicklung des Kindes als auch die gegebenen familiären Beziehungen und Entwicklungsumstände eruiert, um lösungsorientiert Wege aufzuzeigen, die das Kind bei der Bewältigung einer Verhaltens- oder Entwicklungsstörung unterstützen können. Dabei stehen nicht die schulischen Leistungen im Vordergrund, sondern pädagogische Methoden und Interventionen zur Stärkung der Selbstwahrnehmung, Selbststeuerung und Selbstorganisation des Kindes oder Jugendlichen.

Im Hinblick auf die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) stehen wir auf Schloss Varenholz einer medikamentösen Behandlung sehr kritisch gegenüber und versuchen in Absprache mit den Eltern und dem betreuenden Arzt, auf Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat weitestgehend zu verzichten. Statt einer Ruhigstellung mittels Medikamentenvergabe geben wir z. B. Kindern mit hoher motorischer Aktivität durch einen rhythmisierten Ganztagsunterricht mit ausgewogenen Lern- und Spielphasen sowie durch ein vielfältiges Sport- und Freizeitangebot im Nachmittagsbereich ausreichend Gelegenheit, ihren Bewegungsdrang auszuleben.
Aufmerksamkeitsdefiziten, die in der Regel nur dann zu verzeichnen sind, wenn die Anforderungen, vor denen die Kinder stehen, ihrem Entwicklungsstand nicht entsprechen, begegnen wir in der Schule mit binnendifferenziertem Unterricht mit individueller Förderung, so dass kein Kind über- oder unterfordert und damit unaufmerksamer wird. Hinzu kommt ein strukturierter Tagesablauf mit Ritualen, Pflichten und Abläufen, die den Kindern Sicherheit und Halt geben.

Um die Konzentration und Impulskontrolle von Kindern und Jugendlichen mit ADHS nachhaltig zu verbesseren, bietet Schloss Varenholz als begleitende Therapie zudem Neurofeedback an, ein neuropsychologisches Hirnleistungstraining, mit dem die Hirnströme wahrnehmbar gemacht und positiv verändert werden können. 

Ein regelmäßiger fachlicher Austausch zwischen den pädagogischen Fachkräften und den Lehrer/-innen der Sekundarschule Schloss Varenholz sowie kontinuierliche Fort- und Weiterbildungen zum Thema Teilleistungs-, Verhaltens- oder Entwicklungsstörungen sind für uns selbstverständlich und unterstützen die kindgerechte Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern.

Im Rahmen der o. a. Weiterbildungen veranstaltete Schloss Varenholz am Freitag, den 26. September 2014 einen Fachtag zum Thema "AD(H)S und andere psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen". Weitere Informationen zu diesem Fachtag finden Sie hier.

"Von den rund 14,7 Millionen Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 0 und 19 Jahren, die nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2014 in Deutschland lebten, waren schätzungsweise 4,28 Prozent von ADHS betroffen, was einer absoluten Zahl von 628.000 Kindern und Jugendlichen entspricht."


Quelle: BARMER GEK Arztreport 2016